Lebensgefahr an Espressomaschinen

 

Liebe Espresso-Geniesserinnen,

Liebe Espresso-Geniesser,

 

Sebastian Huber, Kaffeekontor Bayern, ist nicht nur unser LaMarzocco Techniker des Vertrauens, sondern auch seit längerem ein gut befreundeter Barista, mit dem wir uns über viele „Kaffee-Dinge“ austauschen. Bei Sebastian´s Erzählungen, insbesondere über Technik, Wartung und Service an und auch von Siebträgermaschinen hörten wir letztends von haarsträubenden Erlebnissen. Angeregt davon, baten wir Sebastian Huber uns einmal einpaar Episoden zu kredenzen, die anschaulich darstellen, wie so mancher Barista oder auch privater Espresso-Liebhaber aus seinem Eigentum ein Ungetüm macht, das lebensgefährlich werden kann. Zu den Epsioden auch einpaar passende Bilder, die zum Nachdenken anregen und überzeugend genug sein sollten, die technische Wartung wirklich dem Fachmann / der Fachfrau zu überlassen.

Fazit für uns:

Mit dem Kauf der Siebträgermaschine unbedingt auch Gedanken zur Wartung machen. D.h., wer kann mir zügig bei technischen Problem oder gar Ausfällen helfen. Wo ist der nächstliegende Techniker?

Kennt der Techniker das Fabrikat und hat dieser unmittelbar Zugriff auf Ersatzteile oder diese gar lagernd?

Bei technischen Defekten besser niemals selber mit der Fehlersuche beginnen.

Niemals technische Veränderungen auf eigene Faust durchführen (siehe Bilder) -> Lebensgefahr

Viele Grüße aus Bad Feilnbach,

Ihre Nana Holthaus-Vehse

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Lebensgefahr an Espressomaschinen (von Sebastian Huber, Kaffeekontor Bayern)

In unserer täglichen Arbeit als Kaffee- und Espressomaschinentechniker stoßen wir oft auf Geräte, an denen grobe Sicherheitsmängel durch unsachgemäße Reparaturen entstanden sind.

Diese Mängel lassen nicht nur jeder ausgebildeten Elektrofachkraft die Haare zu Berge stehen, sondern sie bergen auch ernsthafte Gefahren für Leib und Leben derjenigen, die diese Maschinen bedienen.

Ich möchte kurz zwei Beispiele aufzeigen, auf die ich in den letzten Monaten gestoßen bin. Als ersten Fall möchte ich von einer zweigruppigen Faema E61 berichten, die zwar eigentlich funktionierte aber laut unserem Kunden eine Wartung benötigte. Ich habe mich erst schon gewundert, weil ein Lautsprecherkabel aus der Maschine hing, mir dabei aber erstmal nichts weiter gedacht. Nach dem Öffnen des Geräts stellte ich fest, dass die in die Maschine integrierte Pumpe offensichtlich nicht funktionierte, da sie abgeklemmt war und anstelle der Pumpe das Lautsprecherkabel angeklemmt war, um am Geräteboden zusammen mit einem Schlauch aus der Maschine geführt zu werden. So war schnell klar, dass das Kabel, oder vielmehr der Draht verwendet wurde um eine externe Pumpe mit Strom zu versorgen, weil die interne Pumpe nicht funktionierte.

Die Funktion der Maschine war durch das 2!-adrige Kabel wieder hergestellt, allerdings nicht die Sicherheit. Für den Fall, dass die Pumpe einen elektrischen Defekt aufgewiesen hätte und das Metallgehäuse der Pumpe unter Strom gestanden wäre, würde aufgrund des fehlenden Schutzleiters zur Pumpe kein FI-Schutzschalter auslösen und es ist nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn jemand mit einem feuchten Lappen am Boden gewischt hätte. Dieser lebensgefährliche Mangel hätte bei entsprechender Kenntnis der Sicherheitsstandards und auch bei Verwendung eines VDE-Messgerätes nach der Reparatur definitiv ausgeschlossen werden können.

Das zweite Beispiel zeigt, was bei unsachgemäßem Anschluss von Geräten passieren kann. Eine mir nicht bekanntePerson hat nach dem Umbau eines Cafés in München die Espressomaschine wieder angeschlossen. Sie funktionierte wohl auch einige Stunden ehe ein verbrannter Geruch wahrzunehmen war. Geistesgegenwärtig hat der Eigentümer des Cafés den Stecker der Maschine gezogen und uns um Hilfe gebeten. Da zwischenzeitlich Rauch aus dem Gerät aufgestiegen ist, entschieden wir uns ein Leihgerät zur Verfügung zu stellen und das Gerät zur Fehlersuche in die Werkstatt zu holen. Bis zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht, dass an dem Gerät offensichtlich durch einen Laien irgendwelche Tätigkeiten an den elektrischen Teilen vorgenommen wurden. Nach dem Öffnen der Maschine in der Werkstatt fand ich eine total verkohlte Steuer-platine vor, die zweifelsohne in einem unbeobachteten Moment einen Brand ausgelöst hätte.

Nach längerer Suche konnte ich dann auch die Ursache des Defekts feststellen: der Stecker des Geräts wurde falsch angeklemmt. Beim Anklemmen  wurde dabei eine Phase desKraftstromsteckers und der Neutralleiter vertauscht, so dass 400 V Außenleiterspannung an der Steuerplatine anlagen!!!

Arbeiten an elektrischen Geräten dürfen laut VDE Norm nur von einer ausgebildeten Elektrofachkraft durchgeführt werden, bzw. unter deren Aufsicht von einer elektrotechnisch unterwiesenen Person. Leider wird dies solange kein Schaden entsteht auch nicht vom Gesetzgeber geprüft, d.h. im Endeffekt kann jeder, der sich berufen fühlt, an Elektrogeräten entsprechende Arbeiten durchführen. Erst bei entstandenen Schäden kann derjenige haftbar gemacht werden, der die einwandfreie Funktion der Geräte und deren elektrotechnische Sicherheit nach der Instandsetzung oder dem Anschluss der elektrischen Betriebsmittel nicht nachweisen kann. Für Sie als Betreiber gilt es darauf zu achten, Ihre Geräte und Maschinen nur von Fachbetrieben, bzw. Meisterwerkstätten durchführen zu lassen, um Sie und Ihre Mitarbeiter nicht unnötig in Gefahr zu bringen.

 

 

 

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